Wie du als Introvertierte:r deine Prioritäten durchsetzt

Lass mich raten: Grenzen setzen kannst du als sensibler Intro wahrscheinlich nicht sonderlich gut. Ich nehme mich da nicht aus – das mit dem konsequenten „Nein sagen“ ist uns nicht in die Wiege gelegt, sondern bedarf Übung, Übung, Übung. Umso mehr freue ich mich über den super anschaulichen Artikel von der lieben Iris Brandt, die ziemlich genau weiß, wie Prioritätensetzen funktionieren kann. [Artikel enthält Werbung, aber ungesponsert und ziemlich gut!]

Grenzen setzen – ein Gastartikel von Iris

Für Introvertierte ist es oft nicht leicht, deutlich Grenzen zu setzen und klar zu machen, was ihnen wichtig ist. Doch auch wir haben Wünsche und Pläne, die durchsetzungswert sind. Wie du auch ohne dich im Raum breit zu machen oder laut zu werden deine Prioritäten durchsetzt, das zeige ich dir in diesem Artikel.

Introvertiert ≠ schüchtern

Viele setzen „introvertiert sein“ mit „schüchtern sein“ gleich: Man ist nicht so „easy“ mit anderen Menschen, möchte sich nicht so gerne auf Partys unterhalten oder überhaupt viel aus dem Haus gehen. Doch es gibt einen signifikanten Unterschied: Wer introvertiert ist, kann trotzdem souverän sein.

„Schüchtern“ sein bedeutet immer, anderen gegenüber scheu und gehemmt zu sein (per Definition!). „Introvertiert“ dagegen heißt, „auf das eigene Seelenleben gerichtet“ zu sein. Lass dir den Unterschied einmal auf der Zunge zergehen: Schüchtern ist nach außen hin definiert, und dabei negativ besetzt. Introvertiert ist gar nicht nach außen hin definiert! Es sagt also rein gar nichts darüber aus, wie du dich im Außen verhalten musst.

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Es ist absolut möglich, sehr bei dir zu sein und trotzdem zu anderen freundlich und offen zu sein.

Stell dir vor, dein Geist wäre ein Haus. Extrovertierte gehen aus dem Haus raus, um mit anderen zu interagieren, sie machen es zu oder lassen es offen stehen, aber sie gehen selbst nach draußen auf die Straße, um andere zu suchen. Introvertierte schauen eher von ihrem Haus aus zu anderen Menschen hin. Aber ob du dich hinter den Vorhängen versteckst oder die Tür aufmachst und den Leuten draußen zuwinkst und sie einlädst, herein zu kommen – das sind zwei Paar Stiefel.

Übrigens musst du nicht automatisch alle Leute einladen, die auf der Straße rumlaufen. Du kannst dem lauten Energiebolzen, der durch die Straßen saust, auch einfach freundlich hinterherschauen und dann die Türe wieder schließen. Oder du lädst stattdessen den Nachbarn von gegenüber, der auch einfach nur in seiner Tür steht und rausschaut, zu dir ein. Das kann alles ganz entspannt ablaufen. (Klar braucht es ein bisschen Übung, das alles hinzukriegen, ohne in Stress zu geraten, aber der Knackpunkt ist: Es IST möglich!)

Du kannst also gleichzeitig introvertiert sein und souverän mit anderen umgehen. Was heißt das nun konkret für deine Prioritäten?

Wie findest du überhaupt heraus, was du willst?

Wir Introvertierten setzen uns – siehe Definition – stark mit uns selbst auseinander. Das hat viele Vorteile, z. B. dass wir uns viel Stress ersparen, indem wir erst denken und dann handeln. Manchmal denken wir aber auch zu viel. Problematisch wird es dann, wenn wir uns den Input von außen zu sehr zu Herzen nehmen. Dann geht es eigentlich gar nicht mehr so darum, was du eigentlich willst, sondern was du dir erlaubst, wollen zu dürfen, ohne damit rausgehen zu müssen. Denn draußen ist es laut und du bist schnell überstimmt – und stellst dich dann auch selbst in Frage.

Wenn wir bei der Haus-Idee von vorher bleiben, kannst du es dir so vorstellen: Du schreibst dein Vorhaben auf einen Zettel und trägst den nach draußen. Aber da sind andere Leute mit ihren Zetteln unterwegs, du wirst weggeschubst (das muss noch nicht mal absichtlich passieren), jemand drückt dir seinen Zettel in die Hand, weil er sich so darüber freut; oder dein kritischer Chef oder deine Mutter nehmen dir den Zettel aus der Hand und zerknüllen ihn, weil er nicht zu ihren Vorstellungen passt. 

Nach kurzer Zeit flüchtest du in dein Haus zurück, weil dir alles zu viel ist, schaust, was du da eigentlich noch in der Hand hast und überlegst, ob du nicht vielleicht mit einem anderen Zettel rausgehen solltest, damit du das nicht nochmal erleben musst. Schnell verschwinden die Überreste von deinem eigenen Zettel in der Truhe oder gleich im Kamin, und entweder gehst du dann mit dem Zettel von jemand anderem wieder raus oder du traust dich gar nicht mehr und gräbst dich ein. Dabei wäre auf der anderen Seite der Stadt jemand gewesen, der dir mit Freudentränen um den Hals gefallen wäre, hätte er deinen Zettel sehen können …

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Der Knackpunkt ist, dass wir oft Dinge "wollen", um die es nicht wirklich geht.

Die wenigsten Menschen wollen reich sein, damit sie täglich an Geldscheinen schnuppern können. Eigentlich geht es um Dinge – um Erlebnisse! – die sich mit diesem Geld kaufen lassen. Das vergessen aber viele. Sie stecken sich ein Ziel und ackern dafür, und wenn dabei aus Versehen das Thema draufgeht, um das es die ganze Zeit eigentlich gegangen ist, stehen sie irgendwann vor der Sinnlosigkeit. Das muss nicht sein!

Und damit komme ich zu den Tipps:

Wie du deine Prioritäten durchsetzen kannst

1. Mache dir klar, worum es dir eigentlich geht

Wenn du weißt, was du eigentlich bezweckst, wenn du ein Ziel verfolgst, wird es auch leichter, es gegenüber anderen zu vertreten. Du kannst dich leichter verständlich machen, und je besser dich der andere versteht, desto weniger stellt er sich dir in den Weg. Außerdem kannst du dann viel einfacher die richtigen Weichen stellen, um dein Ziel zu verfolgen, statt dich in unnötigen Umwegen abzukämpfen und am Ende mit einem Sieg da zu stehen, der dir eigentlich nichts bedeutet.

2. Akzeptiere deine Schwächen und geh bei Bedarf auf Distanz

Es geht nicht darum, dich vor allem zu verschließen. Aber manchmal ist ein Konflikt noch zu groß, besonders mit einer einschüchternden Person. Dann ist es vollkommen ok, sich erst einmal über Distanz zu behelfen. Wenn ein großer Hund dich anknurrt, kann es das klügste sein, erst einmal auf eine Mauer zu klettern.

Wie du von dort aus weitermachst, ist die andere Frage. Verfällst du in eine komplette Starre, bis du verhungerst? Oder siehst du dich nach einer Lösung um und merkst vielleicht sogar, dass auf der anderen Seite der Mauer ein schöner Weg direkt zu deinem Ziel führt?

Es ist nicht immer gleich möglich, dir Raum für eine Entscheidung zu verschaffen – aber es geht öfter, als du denkst. Wenn du nicht gerade Herzchirurg bist, kommt es auf ein paar Minuten Stille nicht an. Und meist kannst du wesentlich bessere Entscheidungen treffen, wenn du dir diese nimmst. Also gewöhne dir an, dir Bedenkzeit auszubitten, und sei es nur eine Minute. Du wirst sie vielleicht nicht immer bekommen, aber je öfter du es sagst, desto leichter fällt es dir.

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3. Gewöhne andere an deine Grenzen

Viele unserer Hindernisse sind über lange Zeit gewachsen. Doch das heißt nicht, dass sie für immer so bleiben müssen. Du hast als Kind noch keine Möglichkeit, „Nein“ zu sagen, wenn deine Eltern etwas von dir wollen. Als Erwachsener geht das! (Nicht sofort, oft nicht leicht, aber es IST möglich!) Nur weil du dich beim ersten Tag im Job schüchtern angestellt hast, musst du dich nicht für immer von deinen Kollegen rumschubsen lassen. Und, anders als in den Hollywood-Filmen, musst du nicht alles mit einem dramatischen Befreiungsschlag lösen. 

Es reicht vollkommen aus, sukzessive deine Grenzen zu verschieben und die anderen – und dich selbst! – daran zu gewöhnen. Wenn du dich häufig dazu überreden lässt, Einladungen anzunehmen, nimm dir vor, das nächste Mal „Nein“ zu sagen. Das darf auch ein „Nein danke“ oder ein „Nein, dieses Mal nicht“ sein. Und es ist ok, wenn du dann am Ende trotzdem gehst, dann nimmst du dir für das nächste Mal vor, noch einmal öfter „Nein“ zu sagen.

Umgekehrt kannst du etwas, das du möchtest, immer wieder etwas mehr anbringen. Am Anfang sagst du noch „ich würde aber vielleicht gerne“, mit der Zeit schaffst du ein „ich möchte“ und langfristig kommst du zum „ich mache das so“. Du wirst überrascht sein, wie wenige Freundschaften daran zerbrechen, wenn du anfängst, deine Wünsche deutlich zu machen!

Und hier noch ein Bonustipp, wenn du dich gleichzeitig schnell und effizient darum kümmern möchtest, deine Prioritäten zu erkennen und durchzusetzen:

4. Hole dir Unterstützung

In meinem Onlinekurs „Prioritäten-Power“ zeige ich dir, wie du klar bekommst, was du eigentlich wirklich willst und was du tun kannst, wenn du vor Hindernissen stehst. Ich helfe dir, Zeit für deine Themen zu finden, dich freundlich und zugleich durchsetzungsstark zu positionieren und in deinem gewachsenen Alltag ein gutes, zu dir passendes System zu etablieren, mit dem du alles schaffen kannst, was dir wichtig ist. Klingt gut? Dann:

Klicke hier für mehr Infos zu „Prioritäten-Power“

Fazit

Laut ist nicht dasselbe wie stark und leise nicht dasselbe wie schwach. Und nicht einmal schwach ist dasselbe wie hilflos oder unfähig. Du hast mehr Möglichkeiten, als du ahnst, und mit etwas Übung kannst du Erstaunliches bewirken. Finde heraus, worum es dir wirklich geht, geh bei Bedarf auf Distanz und gewöhne andere an deine Grenzen, und du wirst überrascht sein, wie viel du bewirken kannst. Und wenn du dir unsicher bist, wie du das schaffen sollst: Ich bin für dich da.

Alles Liebe
Iris

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Iris Brandt hilft als Mentorin für Vereinbarkeit fantasievollen Frauen dabei, ihre vielen Ideen mit ihrem Alltag unter einen Hut zu bekommen.

Mehr Infos und weitere Blogartikel auf: iris-brandt.de

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