Introvertiert vs. Extrovertiert – DAS ist der wirkliche Unterschied

Laut, selbstbewusst, Labertasche, immer im Mittelpunkt – eindeutig extrovertiert.
Leise, Bücherwurm, schüchtern, versteckt sich ständig – eindeutig introvertiert.

Moment, ist das wirklich so einfach?

Was einen „guten“ Extrovertierten ausmacht

Bei den zwei Punkten gerade habe ich die Klischeekeule ausgepackt. Das hast du sicher bemerkt. Würden sich alle Extrovertierten und Introvertierten durch diese Eigenschaften auszeichnen, würde das ein sehr einseitiges Bild unserer Gesellschaft ergeben. 

So ist es aber nicht. Als introvertierte Person bist du nicht automatisch schüchtern oder unsicher, und deine extrovertierte beste Freundin ist nicht automatisch eine totale Labertasche. Das können zutreffende Eigenschaften sein – müssen es aber nicht. 

Aber erstmal der Reihe nach: Introvertiert und Extrovertiert ist ja nun ein Gegensatzpaar. Heißt das, dass wir jeden Menschen als entweder extrovertiert (bzw. extravertiert als andere Schreibweise) oder introvertiert einstufen können? 

Die Antwort ist tatsächlich ein bisschen theorieabhängig. Fest steht jedoch, dass sich vielen Menschen grundsätzlich eine Präferenz für Extraversion ODER Introversion zuschreiben lässt. Diese Präferenz ist in deiner DNA verankert. Du kannst sie nicht wechseln.

Extraversion Definition

 

Wie definieren sich Extraversion und Introversion? 

Dazu machen wir einen kleinen Exkurs und gehen zurück an den Anfang der beiden Begriffsgegensätze Extraversion (bzw. Extrovertiertheit) und Introversion. Geprägt wurde dieses Prinzip im Jahr 1921 von Carl Gustav Jung, der eine Theorie der Persönlichkeitstypen aufstellte. Darauf basiert übrigens wiederum der MBTI, eine Persönlichkeitseinteilung, die heute noch gerne benutzt wird, und meiner Ansicht nach eine sehr akkurate Typenbeschreibung darstellt. (Wenn du mehr dazu wissen willst, schau mal in diesen Beitrag.)

Laut Jung bezieht sich das Begriffspaar Extro – Intro auf die Art und Weise wie wir Dinge wahrnehmen. Weiterhin gibt es Menschen mit sehr starken und Menschen mit sehr schwachen Ausprägungen der jeweiligen Seite. Unsere Klischeetypen vom Anfang wären dann Beispiele solcher starken Ausprägungen. Natürlich macht jede Person auch mal introvertierte und mal extrovertierte Sachen (Netflix & Chill vs. Party & Tanzen). Menschen tendieren i.d.R. aber entweder zur einen oder zur anderen Seite. 

Für unsere Unterscheidung introvertiert – extrovertiert benötigen wir tatsächlich nur zwei Aspekte: deine präferierte Haltung und deinen Energiehaushalt.

Letztendlich gibt es nur zwei definitive Unterschiede zwischen Extroversion und Introversion, auf die es ankommt. Alle anderen Merkmale sind Tendenzen, aber nicht unbedingt notwendig, um einen Typen als extrovertiert oder introvertiert zu bestimmen.

(Streng genommen ist es auch nur ein einziger Unterschied, aber ich finde es einfacher, wenn man diesen nochmal aufteilt.)

Extrovertiert vs. Introvertiert – Unterschied Nr. 1

Extrovertierte zeichnen sich durch eine nach außen gerichtete Haltung aus. Sie sind in ihrem Handeln, Denken und in ihrer Wahrnehmung stärker auf die „Welt da draußen“ gerichtet.

Konkret bedeutet das: Du brauchst Input von außen. Unternehmungen sind deine Lebensweise! Sei es Kanu Fahren, Shopping, Party, Businessmeetings, Hiking, Sightseeing, politisches Engagement, Social Media, Vereine … was auch immer dir gefällt.

Introvertierte zeichnen sich durch eine nach innen gerichtete Haltung aus. Sie sind in ihrem Handeln, Denken und in ihrer Wahrnehmung stärker auf ihre eigene, innere Welt gerichtet.

Konkret bedeutet das: Du brauchst wenig Input von außen, um zufrieden zu sein. Du bist oft zu Hause oder vlt. in der Natur, dort wo nicht so viele Menschen sind. Deine innere Welt ist voller Fantasie oder komplexer Gedankenmuster, die du gerne einordnest und analysierst.

 

Extrovertiertheit Definition

 

Extraversion vs. Introversion – Unterschied Nr. 2

Extrovertierte ziehen ihre Energie aus Aktivitäten in der Außenwelt und die Interaktion mit anderen Menschen. Zu lange Zeit alleine laugt sie aus.

Konkret: Dein Energiehaushalt jubelt, wenn du unter Menschen bist. Welche Art und Weise du präferierst, variiert. Shopping mit der Clique, eine politische Debatte führen oder einfach den ganzen Tag über Social Media quatschen – so fühlst du dich am wohlsten.

Introvertierte ziehen ihre Energie aus dem Rückzug und Alleinsein in ruhigen Umgebungen. Zu viel soziale Interaktion laugt sie aus.

Konkret: Du fühlst dich klarer, kraftvoller und mehr wie du selbst, wenn du alleine bist. Denn nur dann kannst du so richtig in deiner eigenen inneren Welt sein, ohne Input von außen. Erst danach bist du wieder bereit (und hast auch Lust), dich mit anderen auszutauschen.

FunFact: Viele Introvertierte lieben es, über ihre Innenwelt mit einem anderen Introvertierten zu reden. So kommen diese typischen tiefschürfenden Gespräche zustande, die man vielen Introvertierten ja zuschreibt. Falls du jetzt denkst, Extrovertierte seien dadurch automatisch dümmer als Introvertierte – das stimmt absolut nicht. Gespräche unter Extrovertierten können auch sehr tiefgehend sein – nur beziehen sie sich auf die äußere Welt, z.B. kann es vermehrt um Politik gehen, oder um Umweltschutz und Nachhaltigkeit, oder oder oder.

Untypische Typen

Nachdem du die beiden wichtigsten Eigenschaften jetzt kennst, stell dir mal folgende zwei Typen vor. Wir nehmen jetzt der besseren Vorstellungskraft halber einfach mal Männer. Wer ist der Intro und wer ist der Extro?

Typ 1

Kommt auf die Party, mischt sich in eine lebhafte Diskussion ein und bringt seinen Standpunkt zum besten, den er selbstsicher verteidigt. Alle Augen sind auf ihn gerichtet.

Typ 2

Kommt auf die Party, schnappt sich ein Bier und setzt sich auf die Couch, wo er erstmal auf seinem Handy rumdaddelt, stellenweise aufblickt, sich aber an keiner Konversation beteiligt.

Typ 1 ist eindeutig extrovertiert und Typ 2 introvertiert? Was aber, wenn ich dir sage, dass Typ 1 sich nach der Party erstmal zwei Wochen in seinem Zimmer einschließt, um seine neugewonnenen Erkenntnisse zu sammeln und gedanklich in sein Weltbild einzuordnen und keine sozialen Interaktionen in dieser Zeit mehr pflegt? Eindeutig introvertiert, oder?

Und was ist, wenn ich dir sage, dass Typ 2 nach der Party mit seinen Kumpels zum Bouldern verabredet ist und online an seinem Handy die neuesten Kletter-Tools recherchiert hat? Weder Konversation noch Leute auf der Party haben ihm richtig zugesagt, er hatte einen schlechten Tag im Büro und jetzt richtig Bock, körperlich was zu machen. Eindeutig extrovertiert, oder?

Extro vs. Intro – wie du den Unterschied erkennst

Puh, wie soll man da jetzt noch durchsteigen? Woher sollst du wissen, ob du da gerade mit einem Intro oder Extro redest?

Mal abgesehen davon, dass es natürlich nicht unbedingt eine Rolle spielen sollte, was dein Gegenüber für ein Typ ist – Hauptsache man ist auf einer Wellenlänge – macht es uns Introvertierten doch oft Spaß und hilft uns in Konversationen weiter, die andere Person richtig einschätzen zu können. Warum also nicht?

extrovertiert Definition

Hier ein paar Indizien in Bezug auf unsere zwei Typen (beachte, dass auch dies nur Tendenzen und Ideen zur Verdeutlichung sind und keineswegs auf jeden Intro bzw. Extro passen):

  • Typ 1 ist zwar ein bisschen lauter geworden, als er seinen Standpunkt vertrat, hat generell aber nicht so eine mächtige und laute Stimme wie Typ 2.
  • Typ 1 hat nicht direkt auf Fragen geantwortet. Es war immer eine kleine, winzige Pause dabei, in der er sich erstmal gedanklich gesammelt hat. Typ 2 hingegen hat kurz von seinem Handy aufgeschaut und ohne großartig Nachzudenken ein Statement rübergerufen als er eine Konversation mitbekommen hat.
  • Rastlos von Konversation zu Konversation und Person zu Person ist Typ 1 nicht gesprungen, sondern er hat sich auf eine Gruppe festgelegt, mit der er gut diskutieren konnte und Input bekam.
  • Typ 2 hat soviel Präsenz ausgestrahlt und Raum eingenommen, dass ihn die meisten lieber in Ruhe gelassen haben.

Ein kleines Fazit

Kein Mensch ist einfach nur Extro oder Intro. Es spielt so viel mehr mit hinein, nicht zuletzt deine individuellen Erfahrungen, deine Gene und vielleicht auch dein Seelenalter, wenn du an so etwas glaubst.

Grundsätzlich kann man aber sagen, dass die meisten Menschen eine gewisse Präferenz zur Introversion oder Extraversion besitzen. Ersteres kann sich ganz stark ausprägen und resultiert dann in Eigenschaften wie Schüchternheit und Stille. Es kann aber auch einfach nur bedeuten, dass du dich nach sozialer Interaktion zwei Wochen in deinem Zimmer einschließt und reflektierst, generell aber überhaupt nicht auf den Mund gefallen bist.

Ein bisschen Wissenschaftsstyle hat dieser Artikel ja abbekommen. Ich hoffe, ich konnte dir so oder so ein paar nützliche Impulse zum Thema Extrovertiert versus Introvertiert vermitteln. Wenn du jemanden kennst, der von diesem Blogpost profitieren könnte, teile ihn gerne. Abonniere auch den Still Verwurzelt Newsletter, um keine Artikel mehr zu verpassen

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1 Kommentar zu „Introvertiert vs. Extrovertiert – DAS ist der wirkliche Unterschied“

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