Schüchtern sein und introvertiert in einer Person – geht das? (Gastbeitrag von Sandra)

Es ist DAS berühmteste Missverständniss überhaupt: Wer introvertiert ist, ist auch schüchtern. So richtig es ist, darüber aufzuklären, dass diese Gleichung absolut falsch ist – so wichtig ist es im Gegenzug, anzuerkennen, dass viele Introvertierte eben gleichzeitig schüchtern sind. Wenn du dich selbst dazu zählst, dann ist der folgende Gastartikel von Sandra definitiv für dich!

[Gastartikel von Sandra Krüger] Was unterscheidet einen introvertierten von einem schüchternen Menschen? Kann man auch beides sein? Kann man introvertiert und gleichzeitig schüchtern sein? Ich sage, ja – das ist möglich und sehe mich selbst als ein passendes Beispiel. 

Wie fühlt sich ein schüchterner Intro?

Viele Introvertierte wollen nicht mit der Schüchternheit in Verbindung gebracht werden, denn eins ist klar: Introversion und Schüchternheit sind zwei verschiedene paar Schuhe. Ich bin ziemlich vertraut mit dem Thema und möchte daher etwas Klarheit reinbringen. 

Als ich damals erkannt habe, dass ich sowohl introvertiert als auch schüchtern bin, hat das sehr viel in meinem Leben erleichtert. Gleichzeitig haben sich mir zwei Aufgaben gestellt: Mich selbst zu akzeptieren – als Introvertierte – und mich selbst zu stärken – als Schüchterne. Denn Schüchternheit kann man trainieren und Introversion kann man lieben lernen. Ein Einblick in meine Gedanken hilft dir vielleicht, das Ganze zu verstehen:

Mich danach zu sehnen, alleine zu sein und die Ruhe zu genießen und mich danach zu sehnen, in Kontakt mit anderen zu sein und gleichzeitig Angst davor zu haben, mit Menschen zu reden.

Den Wunsch zu haben, mich im Zweier-Gespräch mit einer anderen Person zu verbinden und gleichzeitig Angst davor zu haben, überhaupt eine Frage zu stellen, aus Angst dafür abgelehnt zu werden.

Ich würde sagen, dass ich manchmal selbst sehr verwirrt war, als ich noch nicht wusste, dass es dafür eine bzw. zwei Erklärungen gibt, die das alles erleichtern könnten. Dennoch war es viele Jahre für mich Alltag: mit Menschen in Kontakt zu gehen, um Freude zu spüren, und dann im Kontakt zu schweigen, aus Angst. 

schüchtern | Still Verwurzelt

Die Unterschiede: introvertiert vs. schüchtern

Vor einigen Jahren hatte ich angefangen, mich mit meiner Persönlichkeit auseinanderzusetzen und erfuhr eben, dass ich extrem schüchtern bin. Irgendwann erfuhr ich auch, dass ich introvertiert bin, weil ich nach vielen Menschenkontakten alleine sein will. Möglicherweise erkennst du dich dort wieder.

Vielleicht helfen dir die Unterschiede zwischen Schüchternheit und Introversion, die es ganz klar gibt:

  • Schüchterne Menschen scheuen sich davor, im Mittelpunkt zu stehen. Sie haben Angst vor Blamage und Ablehnung. Sie trauen sich innerhalb einer größeren Gruppe nichts zu sagen, weil es falsch sein könnte oder sie ausgelacht werden könnten. Schüchternheit ist eher angelernt und kann quasi trainiert werden wie ein Muskel. Das Vermeiden sozialer Kontakte ist verbreitet – auch weil schüchterne Menschen häufig beim Reden rot werden und u.a. aus diesem Grund nicht gerne innerhalb von Gruppen reden oder Referate halten.
  • Introvertierte kommen gut mit sich klar, wenn sie alleine sind und ihre Kraft und Energie in der Ruhe auftanken können. Sie mögen Kontakte zu Menschen, benötigen anschließend Zeit für sich alleine. Diese Menschen hören gerne erst einmal zu und reden innerhalb einer Gruppe nicht sofort, trauen sich aber, ihre Gedanken auszusprechen, wenn es einen Sinn für sie hat. 

Es liegt in den Genen?

Jetzt könnte man sich fragen, wo kommt das alles her?

Introversion ist genetisch bedingt. Es entscheidet sich wohl bereits im Mutterleib oder noch früher, ob eine Person Intro oder Extro wird. Wenn man dann als Kind nicht als das gesehen wird, was man ist, sich der Gesellschaft anpassen soll, weil man das halt so macht (und niemand versteht, warum das Kind jetzt gerne alleine wäre), ist es möglich, sich unbewusst eine Schüchternheit anzutrainieren. 

Das heißt in der Kindheit (m.M.n.) wird eventuell nicht gesehen, dass es dem Kind in der Ruhe besser gefällt und es sich danach sehnt. So ist es möglich, dass es sich dafür entscheidet, sich zurückzuziehen und es entwickelt eine Schüchternheit. Vermutlich spielen dann noch weitere Faktoren eine Rolle, z.B. Schule, Elternhaus oder die Zeit in der Jugend. Da es meine persönliche Meinung und Vermutung ist, will ich da nicht tiefer drauf eingehen. Natürlich ist es auch möglich, dass sich ein introvertiertes Kind ins Gegenteil entwickelt und dann eine laute Person wird, weil es vom Kind erwartet wurde (m.M.n.) – das will ich der Vollständigkeit halber erwähnen. 

Schüchternheit | Still Verwurzelt Copyright © stoffwindelnharz

Schüchtern und Intro: Das kannst du tun

Bist du schüchtern oder introvertiert? Erkenne den Unterschied!

Die Aufgaben, die sich dir als introvertiert schüchterner Mensch stellen, sind: dich selbst so zu akzeptieren, wie du bist. Dir deiner selbst bewusst sein und vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten. Daher gebe ich dir dir folgenden Fragen und Tipps, mit denen du dich beschäftigen kannst:

Fragen, um sich selbst zu akzeptieren

  • Wer bin ich?
  • Was macht mir Spaß?
  • Was raubt mir Energie?
  • Was gibt mir Energie?

 Tipps für mehr Selbstakzeptanz als introvertierte Person

  • Bücher z.B. Still von Susan Cain
  • Es gibt mittlerweile viele Menschen in den sozialen Medien, die darüber sprechen.

Fragen, um stärker zu werden

  • Wer bin ich?
  • Was will ich wirklich?
  • Was kann ich gut?
  • Was sind meine Stärken und Schwächen?
  • Mit wem fühle ich mich wohl?

Tipps für mehr Mut und Selbstbewusstsein für schüchterne Personen

  • Begleitung von Coaches oder Selbstlernkurs zum Selbstbewusstsein
  • Buch: Verstecken gilt nicht von Melina Royer

Steh zu dir!

Zusammenfassend ist zu sagen, es stimmt – Introversion ist nicht das Gleiche wie Schüchternheit. Die Ansätze sind unterschiedlich, dennoch ist es möglich, dass es Menschen gibt, die beide Anteile besitzen. Schüchternheit kann man trainieren, indem man sein Vertrauen in sich selbst aufbaut. Die eigene Introversion dürfen wir akzeptieren und uns als richtig sehen, so wie wir sind. Die Gesellschaft darf mehr Aufmerksamkeit auf die Introvertierten werfen, denn wir sind genauso wie extrovertierte Menschen sehr wichtig in unserer Welt. 

Steh zu dir. 

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Sandra Krüger | Still Verwurzelt

Copyright © Sandra Krüger

Sandra Krüger, früher die schüchternste Person der Welt, heute zurückhaltend und selbstbewusst. Ich begleite zurückhaltende Menschen dabei, sich zu trauen für sich einzustehen und sich zu trauen, das zu sagen, was sie denken. 

Ich kenne es selbst sehr gut, wie schlimm es sich anfühlt, mit mehr als 5 Personen in einem Raum zu sein und sich nicht zu trauen, etwas zu sagen. Jahrelang war das Reden mit anderen Personen die Hölle für mich. Mir hat es geholfen, mich genau mit diesem Thema auseinanderzusetzen und Wege zu finden, wie es mir leichter fällt, im Gespräch zu sein, denn das wollte ich.

Vor sieben Jahren begann ich damit, mich mit mir selbst näher zu beschäftigen. Ich fand zu mir und meinen eigenen Fähigkeiten und Talenten. Heute kann ich sagen, dass ich selbstbewusst bin.

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