Dein Start in die Selbstständigkeit – Tipps für Introvertierte

Die Selbstständigkeit ist eine feine Sache. Gerade für solch Introvertierte, die Selbstbestimmung, Kreativität und Unabhängigkeit schätzen. Und lass dir sagen, dass das nicht gerade wenige sind!

Ein volles Büro, keine Möglichkeit sich zurückzuziehen, Dauerstress, spontane Meetings und Arbeit für andere verrichten ohne wirklichen kreativen Spielraum – nein danke. Natürlich sind nicht alle Jobs in Festanstellung so. Es kommt immer darauf an, in welchem Bereich du arbeitest und wie gut du mit deinem Arbeitsumfeld zurechtkommst. In diesem Artikel zu Karrieretipps habe ich schon einmal über geeignete Jobs für Introvertierte geschrieben.

Selbstständigkeit ja oder nein? Eine Gewinn-Verlust-Rechnung

Wie sieht das bei dir aus? Hast du selbst schon einmal mit der Selbstständigkeit geliebäugelt, aber weißt nicht so richtig, ob das was für dich ist? Die folgende Liste für Soloselbstständige (eine eigene Firma mit Angestellten gründen, ist natürlich nochmal was anderes) hilft dir da vielleicht weiter.

Das ist dein Gewinn

  • Du bist dein eigener Chef! Unabhängigkeit und Freiheit hallo!
  • Deine Kunden kannst du dir selbst aussuchen. Du musst mit niemandem zusammenarbeiten, mit dem du nicht auf einem Level bist.
  • Du bist flexibel in deiner Zeiteinteilung. Good News für deine Periode! Endlich kannst du dir als Frau während deiner Menstruation Freizeit gönnen.
  • Ein passives Einkommen ist möglich! Und zwar immer, wenn du bereits produzierte Produkte wie Bücher oder Kunsthandwerk verkaufst. 
  • Du kannst ortsunabhängig arbeiten und dir deine Lieblingsorte selbst bestimmen, z.B. wenn du Seminare gibst.
  • Du tust genau das, was du liebst, und kannst dich kreativ so richtig austoben.
  • Du arbeitest alleine und hast keine Kollegen oder Chefs, die dir deine Energie rauben.

selbstständig introvertiert

Das solltest du bedenken

  • Du hast kein festes monatliches Einkommen, sondern bist immer einer gewissen finanziellen Fluktuation ausgesetzt.
  • Um Sozial-, Kranken- und Rentenversicherung musst du dich selbst kümmern. Der Kostenfaktor ist zudem deutlich höher, da kein Arbeitgeber diese mehr bezuschusst. (Welche Versicherungen brauchst du wirklich? Schau z.B. hier nach.)
  • Deine Einnahmen sind immer brutto. Heißt, dass du dir stets einen gewissen Anteil für deine Einkommensteuer zurücklegen musst, der dann 1x im Jahr bei der Steuererklärung fällig wird. Berechne deine Honorare also niemals zu niedrig. (Tipps zur Honorarberechnung bekommst du etwa hier.)
  • Jeden Tag alleine im stillen Kämmerlein arbeiten kann auch für Intros auf Dauer schwierig werden. Achte unbedingt darauf, dass du dir einen sozialen Ausgleich schaffst, vor allem wenn du alleine lebst.
  • Wenn du eine Familie hast, musst du Grenzen setzen. Mama während der Arbeit zu Hause stören, ist nicht. Nur weil du flexibler bist, heißt das nicht, dass du dich ständig ablenken lassen kannst und solltest.

Tipps zum Start in die Selbstständigkeit

[Die folgenden Abschnitte enthalten ungesponserte Werbung | meine persönlichen Empfehlungen]

1. Deine Leidenschaft zum Beruf machen

Was kannst du gut? Was macht dir Spaß? Was ist deine Leidenschaft? Für viele Introvertierte ist es essentiell, sich wirklich mit DER einen Sache selbstständig zu machen, für die du brennst. Es bringt nichts, einen Online-Schrauben-Vertrieb aufzubauen, wenn du Schrauben langweilig findest. Wichtig für viele sensible Intros ist außerdem die Sinnfrage: Was kann ich mit meinem Können Gutes tun in dieser Welt?

Ein paar Ideen (die auch online während Corona funktionieren):

  • Coaching von A-Z
  • Beratung / Lehre: Ernährung, Aromatherapie, Musik, Hundeerziehung …
  • Grafikdesign, Fotografie
  • Lektorat / Freie Redaktionstätigkeiten / Bloggen
  • Kreativbranche: Schmuckdesign, Nähen / Fashion, Tattookunst …
  • Fitnessbranche: Pilatestraining, Autogenes Entspannungstraining, …
  • IT, Programmieren, Webdesign

Selbstständigkeit | Still Verwurzelt

2. Sinnvolle Finanzierung überlegen

Das ist für die Meisten der größte Hinderungsgrund in die Selbstständigkeit zu starten. Von welchem Geld zur Hölle sollst du leben, wenn du dir erst ohne Einnahmen ein Business aufbauen musst? Für alle, die nicht auf Lottogewinne, Grundeinkommen oder einen reichen Partner setzen können, ergeben sich trotzdem Möglichkeiten:

    • Du kannst deine Selbstständigkeit nebenberuflich starten, während du in deiner Festanstellung bleibst. Super wäre es natürlich, wenn du ein paar Stunden dafür von deiner Vollzeit abzwacken könntest. Und: Du musst einen langen Atem haben, da du somit wirklich viel zu tun haben wirst.

    • Du kannst aus der Arbeitslosigkeit bzw. Hartz IV heraus gründen. Dafür gibt es den sogenannten Gründerbonus, bei dem du – mit 150 Tagen Restanspruch auf Arbeitslosengeld – ein halbes Jahr lang finanzierst wirst. Auch hier ist ein bisschen Engagement in Form eines guten Businessplanes notwendig.

    • Es gibt spezielle Gründerkredite, bei denen du auf den Monat gerechnet eine nicht übermäßig hohe Summe für deine Existenzerhaltungskosten bekommst und die Zinsen dich nicht völlig aus der Bahn werfen. Hier solltest du aber wirklich gut nach seriösen Anbietern Ausschau halten! Beachte außerdem: Auch, wenn du nicht viel verdienst, zurückzahlen musst du den Kredit trotzdem. Eine Alternative wäre die liebe Familie: Gibt es  vielleicht jemanden, der dir ein zinsfreies Angebot macht?

    • Sparen! Das heißt allerdings auch, dass du nicht sofort starten kannst, sondern zunächst in der Festanstellung bleibst. Spare, wo du nur kannst und leg so viel Geld zur Seite, dass du bestmöglich ein Jahr lang deine Fixkosten zahlen kannst.

3. Support holen

Vielleicht ist das sogar der wichtigste Punkt in der ganzen Gründungsphase. Ohne Rückhalt von deinem Partner, deiner Familie oder deinen Freunden wirst du schnell den Spaß verlieren. Es ist zwar immer noch möglich und du kannst am Ende, wenn du es geschafft hast, allen Zweiflern zeigen, DASS du es geschafft hast – aber mal ehrlich, auf diese Genugtuung kannst du auch verzichten.

4. Einen Businessplan erstellen

Mittlerweile bin ich der Meinung, dass jeder Selbstständige einen haben sollte, egal ob er diesen für externe Ansprechpartner benötigt oder ihn nur für sich selbst erstellt. Mit deinem Businessplan baust du deinen persönlichen Fahrplan, setzt dir Teilziele, einen Zeitrahmen und kalkulierst Risiken wie Chancen. Außerdem beschäftigst du dich in diesem Zuge auch mit dem ganzen Verwaltungskram – brauchst du ein Gewerbe oder bist du Freiberufler, zahlst du Umsatzsteuer oder willst du Kleinunternehmer bleiben, usw. Ich habe meinen Businessplan z.B. bei Unternehmerheld erstellt, das kannst du kostenlos machen (für den Finanzplan musst du zahlen).

Freiberufler introvertiert

5. Nicht verbiegen

Wichtig! Kundenakquise betreiben, indem du den ganzen Tag telefonierst, weil dir Marketingexperten sagen, dass das so funktioniert? 24/7 auf Social Media unterwegs sein und jeden Tag 2-3 neue Beiträge raushauen?

Auch wenn diese Maßnahmen vielleicht schnelle Resultate bringen mögen (was oftmals nichtmal der Fall ist), wirfst du so schneller aufgrund von Burnout das Handtuch, als du „Ich bin selbstständig“ sagen kannst. Klar musst du dich mit Marketing auseinandersetzen und viele Tipps sind Gold wert und umsetzbar – achte aber trotzdem immer auf dein Bauchgefühl und mach nichts, was sich zu anstrengend und energiezehrend für dich anfühlt. Die besten Resultate erzielst du, wenn du Spaß hast bei dem, was du tust.

6. Einen Plan B in der Tasche haben

All in und auf Risiko? Super, wenn du dafür Feuer und Flamme bist! Für viele Introvertierte ist das allerdings nicht der richtige Weg. Du wirst schnell merken, das da immer eine unterschwellige Existenzangst lauert, die dir den Spaß an der Arbeit nicht unmerklich vermiest.

Deshalb: Überleg dir, was du tust, wenn du deine Ziele nicht in der erhofften Weise erfüllen kannst. Wenn dir die Finanzen ausgehen, was machst du dann? Suchst du dir einen festen Job in Teilzeit? Oder einen Minijob? Nimmst du einen Kredit auf, beantragst Hartz IV oder fragst einen Verwandten nach Unterstützung?

Mach dir Gedanken über deine Möglichkeiten und schreib sie auf. Pack das Dokument in die Schublade und hol es nur wieder vor, wenn du wirklich an dem Punkt bist, an dem dein Plan B greifen muss (du kannst das Dokument auch versiegeln, so wird es amtlicher ^^).

Wichtig auch: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und Rückschläge gibt es immer wieder. Mach dich deswegen nicht fertig. Sieh es als Herausforderung oder Stupser des Universums, es noch einmal auf eine andere Art und Weise zu versuchen.

7. Visualisieren & Meditieren

Der größte Erfolgsfaktor für deine Selbstständigkeit ist deine innere Einstellung. Du kannst noch so gute Pläne gemacht haben – wenn du ständig an deiner Sache zweifelst und stets unter Strom stehst, ist es deutlich schwieriger, diese auch erfolgreich umzusetzen. Dem kannst du Abhilfe leisten, indem du dich mit Entspannungmethoden für mehr Ruhe sowie Manifestationsmethoden für mehr Zuversicht auseinandersetzt

„Meditiere stets 20 Minuten am Tag. Außer du hast keine Zeit, dann meditiere eine Stunde.

Vielleicht kennst du diese alte Zen-Weisheit, die das mit dem Meditieren so wunderbar auf den Punkt bringt: Natürlich wirst du eine Menge zu tun haben. Setze dir deine Meditationspraxis trotzdem als festen Termin, vielleicht sogar als wichtigsten. Online findest du viele geführte Meditationen, die dich etwa dazu anleiten, so richtig in deinen Erfolg einzutauchen (ich nutze z.B. die kostenlose App Insight Timer).

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2 Kommentare zu „Dein Start in die Selbstständigkeit – Tipps für Introvertierte“

  1. Ohja, die liebe Selbstständigkeit. Deine Vorteile und Nachteile kann ich definitiv nachvollziehen. Die Idee mit den Alternativideen und dem Briefumschlag finde ich richtig gut. Gerade wenn man solo-Selbstständig ist hat man doch manchmal schnell Horrorszenarien im Kopf die eigentlich noch ziemlich weit weg sind…

    1. Danke für deinen Kommentar! Das stimmt, mit diesen Horrorszenarien haben sicher viele zu kämpfen. Gerade, wenn es in der Anfangsphase einfach noch sehr unsicher ist, wo man sein Geld herbekommt und ob es wirklich anläuft. Da fühlt man sich mit einem Plan B einfach sicherer, auch wenn es natürlich nicht der eigentliche Wunsch ist.

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